Der dritte und (vorerst!) letzte Teil der Boston Heated Hearts um Bi-Figuren in einem Eishockey-Team widmet sich dem sympathischen straight passing Paar Ellie & Keijo.
Svea Lundberg schreibt laut Vorstellung in den Online-Shops über die Liebe, unter diesem Pseudonym normalerweise über die zwischen Männer. Dass das in diesem Buch anders ist, hat einen besonderen Grund. Das Genre und die Tropes sind Svea dabei nicht so wichtig, wichtig sind ihr dafür Beziehungen mit Konsens, der gefühlvolle Umgang mit sensiblen Themen und eine nachvollziehbare Figurenentwicklung. Die Autorin hat unter diesem und ihren anderen Pseudonymen schon weit über 50 Bücher veröffentlicht.
Ellie ist durch mit Profisportler. Auf gar keinen Fall wird sie sich erneut auf einen einlassen. Keijo ist Profisportler und als er Ellie kennenlernt, ist er sofort fasziniert von ihr. Dass die beiden letztendlich zusammen im Bett landen, ist nicht nur ein Versehen, sondern basiert auf einer Lüge. Ein zweites Mal wird es nicht geben, ist Ellie sich sicher.
Es handelt sich um eine Sports Romance und behandelt neben einer Liebesgeschichte noch Eishockey und damit verbundene (auch negative) Erfahrungen.
Das Buch enthält außerdem neben Feminismus auch Queerness in einer straight passing Beziehung. Neben einer bisexuelle Hauptfigur, gibt es auch noch weitere queere Nebenfiguren aus den Vorgängerbänden. Gefallen hat mir auch der Schwerpunkt Feminismus, die Betonung auf Sisterhood und dass die männliche Hauptfigur eine Green Flag ist.
Das Cover gleicht denen der Reihe. Vor einem helllila Hintergrund steht ein Paar auf dem Eis. Rechts steht eine männliche Figur in einem gelben Trikot und einem Eishockeyschläger in der Hand. In der anderen Hand hält er den roten Schal der linken Figur. Die linke Figur, eine Frau, lehnt sich mit dem Rücken an den Mann und hält einen Teller mit Keksen in die Höhe. Sie ist schlank und hat braune Haare, der Mann ist muskulös und hat braune Löckchen. Beide sind Weiß. In roter Schrift steht ganz oben der Name der Autorin: Svea Lundberg. Weiter unten, aber noch über den Köpfen der Figuren steht der Titel des Romans: Trusting her. Ganz unten in kleiner Schrift stehen sowohl die Namen der Figuren: Ellie $ Keijo, der Name der Reihe: Boston Heated Hearts und der Untertitel des Buches: Heimsieg für die Liebe. Etwas größer und hervorgehoben in rot steht das Genre: Hockey Romance.
Bisexuelle Männer im Profisport ist das Hauptthema der Eishockey Romance Reihe. In den ersten zwei Bänden befinden sich die bisexuellen Männer in gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Es ist das erste Buch der Reihe, bei dem sich die Figur in einer gegengeschlechtlichen Beziehung befindet. Während das Thema Bisexualität im ersten Teil noch beiläufig behandelt wurde, wurde es im zweiten Teil wichtiger. Hier im dritten Teil wird es erneut eher beiläufig behandelt. Das finde ich zwar einerseits sehr gut, andererseits wurde hier auch Potential liegen gelassen. Zum Beispiel hätte man darauf eingehen können, dass die Figur zweifach diskriminiert wird, z. B. von queeren Figuren, die sich verraten fühlen, aber auch vom Profisportumfeld. Vereinzelt wird es natürlich auch thematisiert, aber bisexuelle Menschen in straight passing Beziehungen leiden häufig unter anderen Problemen wie Menschen, die sich in sichtbar queeren Beziehungen befinden. Ich habe aber auch verstanden, dass die Autorin aus der romantischen Geschichte keine tragische Geschichte machen wollte - und auch das finde ich gut.
Wirklich gut gefallen haben mir die beiden Hauptfiguren.
Ellie ist eine bezaubernde starke Frauenfigur, deren moralischer Kompass vorbildlich funktioniert und die den Zusammenhalt zwischen Frauen immer einem Flirt mit einem Mann vorziehen würde. Auch sie macht dabei Fehler, reflektiert sich selbst und überwindet mögliche Denkmuster. Ellie ist so ein Vorbild und ihre Art der Figurenzeichnung so wichtig in der Buchbubble, in der toxische Beziehungen häufig romantisiert werden. Auch in den ersten Teilen war Ellie bereits das Herzstück und schon der Beweis, dass auch achillean Bücher über starke Frauenfiguren verfügen können (und sollen!). Jetzt erhält Ellie ihre eigene Geschichte. Sie ist eine bezaubernde Ally für andere Frauen, aber auch für ihren queeren Partner. Ich mochte Ellie als Figur einfach so unglaublich!
Aber auch Keijo hat mir mega viel Spaß gemacht. Er ist nicht ganz ohne Fehler und baut schon mal den einen oder anderen Mist, aber auch er reflektiert sein Verhalten und genauso wie Ellie ihm ein Ally ist, ist er für sie einer, in dem er eine absolute Green Flag ist und beweist, wie ein Mann in einer gegengeschlechtlichen Beziehung agieren kann (und sollte!). So eine tolle Figurenentwicklung, ist Svea hier bei ihm (und bei Ellie) gelungen. Lebendig, stark in der Entwicklung, liebenswert ...
Das Buch gewinnt durch die aufrichtigen Gefühle der Figuren füreinander, aber auch für den Respekt, den sie für ihre Freund*innen aufbringen und sogar auch für Konkurent*innen. Das Buch fühlt sich ab der ersten Seite wie ein warmer Schauer an und hält das auch bis zum Ende durch. Der Epilog entlässt die Lesenden mit einem schönen Gefühl. Nichtsdestotrotz fädelt die Autorin geschickt auch ernste Themen ein, neben den bereits angesprochenen ist es auch Freundschaft, Profi-Sport und Stalking.
Wie in den beiden Vorgängerbüchern gibt es viel Spice. Das gefällt nie jedem und auch ich bin von häufigen und sich wiederholenden Spice-Szenen schnell gelangweilt, doch die Autorin schreibt die intimen Szenen wie alle anderen Szenen richtig schön. Auch zeigt die Autorin wie kreativ und vielseitig bisexuelle Menschen ihre Lust ausleben können, weil sie vielleicht viel eher bereit sind, über den Tellerrand hinauszublicken. Aber auch die Wichtigkeit von Konsens, gegenseitigem Respekt und das Eingestehen von Fehlern verarbeitet die Autorin in diesen Szenen. Und auch wie wichtig Verhütung ist - und was man tun könnte, wenn diese nicht erreichbar ist ;) Es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten als die, die so unglaublich häufig in Spice-Szenen beschrieben werden.
Es ist der dritte Teil der bisher dreiteiligen Reihe. Die Hauptfiguren der ersten beiden Bänden spielen eine Rolle, wobei Bennet & Riley aus Teil 1 eher nebensächlich sind, Caden & Noah aus Teil 2 jedoch eine tragende Rolle spielen und für die Hauptfiguren wichtige Bezugspersonen sind. Diese Verknüpfung hat mir sehr gut gefallen. Eigenständig können meiner Meinung nach alle drei Bücher trotzdem gut gelesen werden, wobei ich die korrekte Reihenfolge dennoch empfehlen würde. Teil 2 und Teil 3 agieren bei mir parallel zueinander an der Spitze, wobei Teil 1 ein klein wenig abfällt (lohnen tut aber der sich auch schon!)
Im Nachwort deutet die Autorin an, dass es einen vierten Teil geben könnte mit Ando aus Teil 2 im Fokus. Ehrlicherweise kann ich mich an Ando nicht mehr erinnern. Ich bräuchte auch nicht unbedingt einen vierten Teil, würde ihn aber selbstverständlich auch lesen. Nach Trusting him, Trusting us, Trusting her dann ein Trusting them? Ich meine, das Thema Bisexualität könnte ja auch in einer MMF thematisiert werden ;) Oder mit einer nichtbinären Figur? Ich bin sehr gespannt ...
Als die Autorin das Paar des dritten Teils enthüllte, wurde sie mit Kritik überhäuft, weil sie es als queeres Buch bezeichnete, zu der ich mich an der Stelle auch kurz äußern möchte. Das Buch ist ein queeres Buch. Keijo ist queer. Die Nebenfiguren sind zu großen Teilen queer. Ellie ist ein queerer Ally. Das Thema des Buches ist - neben anderen - queere Identität. Ich empfinde es als folgerichtig, dass das Buch als queeres Buch bezeichnet wird.
Bisexuelle Menschen leiden unter Unsichtbarkeit und werden häufig von doppeltem Misstrauen konfrontiert, zu queer für den straighten Mainstream, zu straight für die queere Community, stehen sie irgendwo in der Mitte in der Einsamkeit. Die Kritik an der Autorin und an dem Buch haben auch Menschen wie mich getroffen und dieses Gefühl der Einsamkeit und Unsichtbarkeit verstärkt. Auf vielen achillean Romance Büchern werden sehr gerne neben den blau, violetten Herzen für schwul auch die Bi-Farben verwendet (blau, lila, pink). Diese gut gemeinte Vielfalt ist nicht gut gemacht, wenn sie nur eine Vielfalt kennzeichnen, die nicht wirklich so gemeint ist. Svea Lundberg hat diese Vielfalt nun ausformuliert. Bisexuelle Menschen lieben Noahs und Ellies und in beiden Fällen sind sie bi und queer. Und auch wenn sie weder einen Noah noch eine Ellie lieben, sind und bleiben sie bi und queer. Ausrufezeichen.
Ich möchte das Buch allen empfehlen, die Sports - Romance lieben. Ich liebe die ganze Reihe und der dritte Teil war neben dem zweiten Teil richtig gut (auch Teil 1 war schon gut!). Die Bi-Repräsentanz fand ich ganz wunderbar und die Frauenfigur sollte für ganz viele weibliche Figuren in Büchern ein Vorbild sein!

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