· 

Frühlingsgewitter und Meeresrauschen von Tara Wolfzahn

Tara Wolfzahn gelingt eine zarte und sensible Erzählung über eine schmerzhafte Reise einer trans Frau in die Vergangenheit mit ihrer Partnerin, inkl. Hund und Strandspaziergang.

 

Tara Wolfzahn ist Autorin, die gerne über fantastische Welten schreibt oder auch Freundschaft / Beziehungen in unserer Welt in den Fokus rückt (wie im vorliegenden Fall). Dabei ist ihr nicht nur queere Repräsentation wichtig, sondern auch generell eine breite Vielfalt an menschlichen Lebenswelten. 

 

Seit Ninas Coming Out als trans ist ihr Verhältnis zu ihrer Familie angespannt, als sie nach Hause reisen muss, hat sie zum Glück Elva an ihrer Seite, doch dann eskaliert es zwischen Ninas transphober Schwester und Elva. 

 

Die Kurzgeschichte erschien beim Wreaders Verlag als Teil des Farbenspiel Projekts, das queere Repräsentation zu mehr Sichtbarkeit verhelfen möchte und Kurzgeschichten und Novellen unter einem Reihennamen bündelt.

 

Laut Verlag ist das Genre New Adult. Tatsächlich ist das Genre nicht so einfach zuzuordnen. Die Autorin zieht besonders die Beziehung zwischen den beiden Frauen und die zu der Schwester von Nina in den Vordergrund. Komplizierte Familiendynamiken sind ebenfalls wichtiger Bestandteil, wie Selbstbestimmung, Selbstfindung und (queere) Partnerschaft.

 

Neben Ninas trans Identität, wird auch die sapphische Liebe zwischen Nina und Elva sowie Elvas Asexualität thematisiert. Alles wird beiläufig und mit viel Respekt in die Geschichte eingewoben. Es ist eine Geschichte über vielfältige queere Lebensentwürfe, betont aber deren Normalität. Das hat mir sehr gut gefallen!

 

Das Cover ist orange gehalten (orangener Himmel, Wasser in dem sich der orange Himmel spiegelt und gelber Sand). Die beiden Frauen sind zu sehen, wie sie an der Wasserkante entlanglaufen. Sie halten sich an den Händen und sind einander zugewandt. Ein Hund springt neben ihnen. Ein blauer Felsen türmt sich am Rand und könnte für die transphobe Schwester stehen und ist gleichzeitig ein farblicher Bruch. Das finde ich sehr passend, besonders, wenn meine Interpretation richtig sein sollte. Der Name der Autorin Tara Wolfzahn steht oben in Großbuchstaben. Weiter unten im Sand steht der Titel der Kurzgeschichte, ebenfalls in blauen Großbuchstaben: Frühlingsgewitter und Meeresrauschen. Etwas kleiner und weiter oben steht das Genre New Adult und ganz klein mittig und unten platziert ist der Name des Verlags: Wreaders.

 

Da mir die Kurzgeschichte sehr gut gefallen hat, habe ich kaum Kritikpunkte. Einzig die Länge der Geschichte hat mich etwas gestört. Die Figuren sind so liebevoll eingeführt worden, ich wäre so gerne mit ihnen und ihrem Hund noch weiter gereist und hätte gerne mehr über sie und ihren Alltag erfahren. Es wäre schön, wenn dies lediglich der Auftakt einer längeren Geschichte wäre :)

 

Der Plot der Story ist nicht neu, aber mir gefiel Taras Interpretation sehr gut. Sie bleibt in ihren Tönen leise, in ihrer Erzählung ruhig, während sie Elva und Nina als entspannte Personen einfügt, an denen die Trans- und Queerfeindlichkeit der Familie zwar nicht direkt abperlt, aber mit erstaunlicher Gelassenheit begegnen. Das fand ich sehr gut, weil die negative Emotion gut sichtbar von der Schwester ausgeht und Verwandte damit umgehen müssen (z.B. der Schwager, die Tante etc.).

 

Auch hier hätte ich gerne noch mehr erfahren. Wie geht es weiter mit dem Besuch bei der Tante, wie geht es weiter zwischen der Schwester und ihrem Mann? Kann Ninas Schwester sogar ihre Probleme überwinden? Sie muss ja im Kern ein guter Mensch sein, wenn sie einen so sympathischen Mann geheiratet hat ... Es gibt noch einige Punkte, die man in einer Fortsetzung aufklären könnte.

 

Doch die Kurzgeschichte an sich ist in sich geschlossen, hat ein wunderschönes Ende und überzeugt von ihrer Leichtigkeit trotz der schweren Thematik. Es ist Tara wirklich gut gelungen, diese Stimmung so lebendig auszuerzählen. 

 

Ich habe bereits Taras andere veröffentlichte Kurzgeschichte gelesen: Das Frühlingsfest. Und auch wenn ich diese High Fantasy auch schon gut gefunden habe, hat mich diese hier doch noch mal um einiges mehr begeister. Das liegt vielleicht am Genre, das mir mehr liegt, aber ich glaube, es liegt auch an Taras Schreibstil, der nun noch intensiver und schöner Szenen ausmalt. Eine Steigerung ist meiner Meinung nach sehr gut erkennbar.

 

Auffällig ist, dass Tara wohl gerne über den Frühling schreibt :)

 

Ich kann die Kurzgeschichte allen Personen empfehlen. Sie hat eine wunderschöne Message und tolle Repräsentation und die Gefühle und die Stimmung wurde richtig gut eingefangen. Bitte lesen! Danke!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0