Düsteres Märchen mit Forbidden Love Trope und queerer Repräsentation, aber ohne, dass die Queerness der Grund für die verbotene Liebe ist. Gleichzeitig ist Maja Köllinger eine Fantasy über eine berührende Freundschaft und eine komplizierte Vater-Tochter-Beziehung gelungen, deren Word Building gut in den Plot eingeflochten ist.
Maja Köllinger hat laut eigener Aussage bereits als Kind eigene Geschichten in Notizbücher geschrieben. Neben dem Schreiben liebt sie Rockmusik, romantische Liebesgeschichten und zeichnet auch gerne. Sie schreibt für den Drachenmond Verlag oder veröffentlicht im Selfpublishing.
Für die Königsfamilie und für Adaliz' Vater ist klar: Thronfolger Jaro und Adaliz werden heiraten. Die beiden sind sowieso gut befreundet - nichts sollte dagegen sprechen, oder? Doch Adaliz hat eine heimliche Geliebte, die Bürgerliche namens Odette, und dann schleppt Adaliz' Vater noch ein düsteres Geheimnis mit sich herum, dass die Ehe für Jaro gefährlich machen könnte. Für Adaliz ist also klar: Auf gar keinen Fall kann sie Jaro heiraten. Doch was passiert, wenn sie sich gegen alle Konventionen stemmt und zu Odette steht?
Beworben wird das Buch als "Märchenhafte Fantasy für alle "Schwanensee"-Fans" und dem kann ich zustimmen. Zwar gibt es einen sapphischen Romance-Plot, aber das Hauptaugenmerk liegt auf der Fantasy und Adaliz als Hauptprotagonistin. Auch das märchenhafte trifft es sehr genau. Ich habe die Geschichte als düsteres Märchen für Erwachsene empfunden.
Adaliz und Odette führen eine gleichgeschlechtliche, sapphische Beziehung, aber die Queerness der beiden Frauen ist weder Plot-Treiber, noch der Grund für die Ablehnung ihrer Beziehung durch die Gesellschaft. das hat mir sehr gut gefallen. Casual Queerness und Queer Joy ohne die Thematisierung von Diskriminierung muss es genauso auf dem Buchmarkt geben. Thematisiert werden jedoch Klassismus und Fremdenfeindlichkeit, und auch das hat mir sehr gut gefallen!
Von Maja habe ich bislang nur eine Kurzgeschichte gelesen. Queering the Map war in der Anthologie Queer through the year enthalten und spielte nicht in einer Fantasy-Welt, beinhaltete aber ebenfalls eine sappische Liebesgeschichte. Die Kurzgeschichte hatte mir so gut gefallen, dass ich neugierig auf die anderen Werke der Autorin wurde.
Das Cover ist rosa gehalten, mit goldenen Verzierungen und pinken Edelsteinen, die sich um zwei rosa Schwäne und dem Titel schützend versammeln. In der Mitte sind die zwei Schwäne, die sich ansehen und von einem goldenen und reich verzierten Schwert voneinander getrennt werden. In der unteren Hälfte des Covers ist der Titel des Romans zu lesen in dunkelpinken Buchstaben: Federlicht & Tränenglanz. Der Autorinnennamen Maja Köllinger steht im zarten Gold darüber. Ganz unten, ganz klein, fast übersehbar ist der Name des Verlags ersichtlich: Drachenmond Verlag. Das Cover sieht insgesamt trotz der schlichten Farben und Buchstaben alleine durch die Verzierungen sehr edel aus.
Ich bin mit der Erwartung an die Geschichte herangegangen, eine sapphische Romantasy vorzufinden, aber zu beachten ist, dass Odette nicht genauso wichtig ist wie die Protagonistin Adaliz. Odette ist im Prinzip wie auch Adaliz' bester Freund und ihr Vater eine Nebenfigur. Es ist ein Buch über Adaliz' Entwicklung. Ihre Liebe zu Odette ist ein wichtiger Nebenplot, aber nicht der Hauptplot. Adaliz' Emanzipation, ihr Umgang mit Magie und ihre Beziehung zu allen drei: Geliebte, bester Freund und Vater sind die wesentliche Entwicklungen im Buch. Zu Beginn war ich etwas enttäuscht, dass Odette eine unwichtigere Rolle spielt, wie gedacht, und auch ihre Persönlichkeit ist nicht so fassbar wie die von Adaliz, aber das lag auch an meiner falschen Erwartungshaltung.
Gefallen hat mir jedoch alles um Adaliz herum. Ihre Entwicklung ist überzeugend erzählt, ihr Charakter ist ausreichend tief und ihre Beziehungen zu den anderen drei Nebenfiguren komplex und nicht immer leicht zu durchschauen. Vielleicht ist Odette aus diesem Grund auch nicht ganz so wichtig, weil die Gefühle, die Adaliz für sie hegt, klar und eindeutig sind, und Adaliz niemals an ihnen zweifelt. Anders ist es zum Beispiel mit den Gefühlen für ihren Vater, deren Beziehung viel komplizierter und vielschichtiger sind. Gefallen hat mir auch die Freundschaft zu Jaro. Ich liebe Freundschaften in Büchern und auch in der Beziehung zu Jaro gibt es einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Die Figuren sind überzeugend geschrieben. Es gibt im Grunde nur diese vier wesentlichen Figuren, aber ihre Hintergrundgeschichten, unterschiedlichen Sehnsüchte, Träume und Erwartungen erzeugen die verschiedenen Konflikte. Auch die antagonistische Kraft ist nicht einfach nur böse, sondern hat ihre Bösartigkeit aus nachvollziehbaren Gründen entwickelt. Das hat mir besonders gut gefallen.
Ich kann dieses Märchen allen empfehlen, die auf Fantasy und Märchen stehen. Dass die queere Liebe so casual und nebenbei eingeflochten wird, empfand ich als sehr empowernd und natürlich eingearbeitet. Ich hoffe, dass das Buch von ganz vielen Menschen gelesen wird, die nicht explizit nach Sapphic Love suchen, damit queere Figuren endlich auch als das betrachtet werden, was sie sind: Natürliche Figuren, die selbstverständlich in mehr (warum nicht sogar in jedes?) Buch gehören.

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