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Get him up von Lauri Mattis

Der zweite Teil der Dilogie übertrifft bis zur Hälfte des Buches den ersten Teil, leidet  aber gegen Ende etwas unter dem Trennungsschmerz des Autors, dem es offensichtlich etwas schwerfiel, seine Figuren sich selbst zu überlassen. Das ist nicht verwunderlich. Mit Falk und Jake sind ihm zwei komplexe, tiefschichtig angelegte und lebhafte Figuren gelungen, die über die Dilogie hinweg eine starke Entwicklung durchmachen.

 

Lauri Mattis widmet sich laut eigener Angabe am Liebsten Liebesgeschichten abseits von richtig und falsch. Ich habe Lauri als achillean Romance Autor kennengelernt, der in seinen Romanen großen Wert auf Vielfalt legt und queere Lebensrealitäten in allen möglichen Facetten darstellt. Sein Gespür für lebensnahe, tief angelegte Figuren ist seine größte Stärke. Ich habe bereits ein Roman von ihm gelesen, der mich absolut mitgerissen hat: Too Late to Love. Gelesen habe ich auch den ersten Teil der Dilogie: Take him down. Der zweite Teil des Falken-Dilogie ist somit das dritte Buch, das ich von diesem Autor lese.

 

Noch ist es ein Geheimnis, selbst für Falk und Jake selbst, doch es wird immer offensichtlicher, dass sich zwischen ihnen etwas entwickelt hat. Kann Jake jedoch, der es gewohnt ist, keine Verantwortung zu übernehmen, ausgerechnet für Falk eine Unterstützung sein, der unter der ganzen Verantwortung in seinem Leben zunehmend zusammenbricht?

 

Auf dem Cover steht Gay Romance, da die beiden Protas offensichtlich schwul sind und sich im Verlauf der Dilogie unübersehbar ineinander verlieben, ist dieses Genre auch naheliegend, aber Teile der Dilogie haben für mich auch was von einem Familiendrama (Falks Geschichte) und einem Entwicklungsroman (Jakes Geschichte). Das Genre Romance reduziert eine solch tief durchdachte Geschichte und komplexen Charaktere auf das sich ineinander verlieben, was es aber definitiv nicht nur ist. Oder bin ich diejenige, die dem Genre einfach nicht genug zutraut? Auch das kann sein ;)

 

Die beiden Hauptfiguren sind queer, eine große Handvoll Nebenfiguren sind es ebenfalls (schwul, trans, bi). Davon abgesehen enthält der Roman Mental Health Thematiken und Falk erholt sich von einer schweren PTSD. Ich empfand den Roman ähnlich wie den Vorgänger als sehr divers und inklusiv, auch wenn ich die Sapphic Rep. aus dem Vorgängerbuch etwas vermisst habe. 

 

Ich habe das E-Book gelesen. Das Cover des E-Books ist violett gehalten und der nackte, muskulöse Oberkörper eines Mannes von hinten in einer Kampfpose (erhobene Faust) ist zu sehen. Offenbar Falk, da der Mann die Tätowierung von Falk trägt, die im Buch mehrmals erwähnt wird. Ein violetter Pfeil zeigt nach oben, eine indirekte Andeutung des Titels Get him up. Der Titel ist groß mittig in weißen Buchstaben auf Brusthöhe angebracht. Das Wort "up" ist in violett und schnörkelig hervorgehoben. Der Name der Reihe bzw. der Untertitel sind unauffällig ganz unten aufgedrückt: Das Herz des Falken 2. Oben rechts steht der Name des Autors L. Mattis, darunter etwas kleiner das Genre: Gay Romance, beides unauffällig in weiß. 

 

Das Cover des Taschenbuchs zeigt Falk und Jake in einer Illustration sich umarmend und einander anlachend auf einem angenehm wirkenden blauen Hintergrund. Da ich das E-Book gelesen habe, gehe ich auf das Cover nicht näher ein.

 

Ich hatte es bereits im Eingangstext erwähnt und muss es an der Stelle nochmals tun, um meine einzige Kritik etwas zu erläutern. Das Ende zieht sich doch etwas sehr. Ich fand mehrere der Enden als sehr süß und befriedigend (gibt es eigentlich eine Grafik es Autors von Falks Rücken?), aber für mein Empfinden hätte eines davon gereicht. Der längere Zeitsprung ist mega cute und es freut mich total, was ich dort erfahren habe, aber ich glaube, ich hätte mir das als Lesende nach dem Zuklappen des Buches auch ganz gut selbst vorstellen können. Ich verstehe, dass es dem Autor schwer gefallen ist, die Figuren ziehen zu lassen, weil sie ja auch wirklich unglaublich toll geschrieben sind, aber das Pacing hat am Ende nicht mehr ganz gestimmt. So zumindest war mein Empfinden, ganz sicher ist das Geschmackssache!

 

Wenn ich in dem Mecker-Abschnitt nur die letzten zwanzig Prozent erwähne, werden die vorherigen 80 % mich überzeugt haben und ja, das haben sie definitiv! Wie schon im Vorgänger-Band fand ich besonders stark die Figurenentwicklung und die Tiefe und Komplexität von Jake und Falk.

 

Jakes Entwicklung wird konsequent fortgeführt. Sein innere Reflektion ist jederzeit nachvollziehbar und ich habe seine Gedankengänge sehr nachempfinden können. Seine Entwicklung wirkt nie übereilt und man kann der Figur durch beide Bücher hinweg bei der Reifung zusehen. Aber - und das fand ich persönlich sehr wichtig - trotzdem darf Jake Jake bleiben und er wirft nicht auf einmal seinen ganzen Charakter für Falk über den Haufen. Das wäre auch überhaupt gar nicht gesund. Jake bleibt er selber, auch wenn er sich weiterentwickelt hat. Und Falk - das spürt man auch - liebt genau das an ihm. Jake bringt Energie, Lebensfreude und Leichtigkeit in das doch etwas düstere, schwere Familienkonstrukt, in dem Falk mit seinen Geschwistern verweilt. 

 

Was ich auch gut fand, war die Geschwisterdynamik zwischen Mo und Falk und den Konflikt, der sich über die Thematik zieht, dass niemand zu einem Coming Out gezwungen werden darf, andererseits eine Verweigerung eines Coming Outs auch bedeutet, andere für sich vorkämpfen zu lassen. Fand diese Konfliktlinie zwischen Mo und Falk sehr spannend, weil ich die Motive von beiden gut nachempfinden konnte und ich mich auf keine der beiden Seiten stellen konnte. Mo bekommt all den Hass ab, andererseits hat er auch bedeutend mehr Freiheit als Falk. Ein Konflikt, den auch nicht-queere Geschwister sicherlich gut nachempfinden können.

 

Außerdem hervorheben möchte ich die wunderschöne Szene im Park, die mich zu Tränen gerührt hat, sowie die Dynamik zwischen Jake und Kevin, sowie das ganze WG-Leben. Ich habe das Gurkenspiel total geliebt und mochte dieses wuselige Found-Familiy-Gefühl in der WG sehr. Leider wurde die sapphic Love-Story nicht mehr groß weiterverfolgt, genauso wie auch diverse Nebenstrange von den anderen Krav Maga Leuten sehr in den Hintergrund gerückt ist. Auch Kevins weitere Entwicklung hätte mich noch interessiert. Der Hauptfokus lag hier in diesem zweiten Teil definitiv mehr auf Falk und Jake und ja, sie sind ja auch immerhin die Hauptfiguren, das kann ich gut nachvollziehen.

 

Es gibt eine antagonistische Kraft, die ich als absolut ekelhaft empfunden habe, aber deren Verhalten ich leider als definitiv im möglichen Bereich ansehen würde. Ich fand es gut, wie Jake und Falk zusammen kämpfen und clever mit dieser Bedrohung umgehen und entgegen ihres gemeinsamen Sports ihren Kopf und nicht die Fäuste benutzen.

 

Richtig cool fand ich auch hier wieder die Easter-Eggs zwischen den ganzen Mattis Bücher, die ich natürlich hier nicht enthüllen werde (selber lesen!), aber ich habe zwei gefunden, und ich fand beide gut platziert. 

 

Im Gegensatz zum ersten Buch fand ich den Spice hier besser in die Handlung mit eingeflochten und sie hat mehr die Entwicklung der Protagonisten gespiegelt, was ich gut fand.

 

Es ist mein drittes Buch vom Autor und obwohl ich die Falken-Dilogie als überwiegend sehr sehr gut empfunden habe, bleibt Too Late to Love weiterhin mein Favorit. Ich denke noch sehr sehr oft an dieses Buch zurück, weil es mich direkt im Herzen berührt hat. Definitiv werde ich weitere Bücher des Autors lesen und ich bleibe ganz gespannt auf neue Veröffentlichungen.

 

Wer den ersten Teil der Dilogie gelesen hat, sollte definitiv weiterlesen. Ganz klare Empfehlung meinerseits. Wer die Dilogie noch nicht kennt, sollte aber auf jeden Fall bei Teil 1 beginnen, alles andere macht keinen Sinn.

 

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